"Die Hölle findet unter schönsten Himmeln statt": The Painted Bird - Mit Udo Kier, Harvey Keitel - Ab 9. September im Kino!

Václav Marhouls nihilistische Adaption des Skandalromans "The Painted Bird", nominiert für den Goldenen Löwen und den Europäischen Filmpreis, kunstvoll inszeniert in opulenten Breitwand-Schwarzweiß mit Petr Kotlár, Harvey Keitel, Stellan Skaarsgård, Julian Sands und Barry Pepper.


The Painted Bird

Mit THE PAINTED BIRD erfüllte sich der tschechische Regisseur Václav Marhoul einen lange gehegten Regiewunsch. Auf 35mm Film in opulentem Schwarzweiß in Cinemascope gedreht und besetzt mit Stars wie Harvey Keitel, Stellan Skaarsgård, Julian Sands und Barry Pepper stellt Marhoul von Anfang an klar, dass er keinen kleinen Independentfilm vor Augen hatte, sondern ein Epos, das sich an internationalen Großproduktionen der letzten 50 Jahre messen lassen will – und auch kann.

THE PAINTED BIRD ist ein Autorenfilm im engsten Sinne des Wortes. Marhoul, der sowohl für Buch, Produktion als auch Regie verantwortlich zeichnete, lässt jede Minute erkennen, dass es galt, ohne Kompromisse seine ganz persönliche Vision umzusetzen und einen Film abzuliefern, der bis ins Detail seiner Lesart von Jerzy Kosińskis Roman entspricht – und dabei auch vor experimentellen Elementen nicht zurückzuschrecken. So ist das Ergebnis ein knapp dreistündiges Tone Poem über die dunklen Seiten des menschlichen Daseins, das seinen fast lyrischen Bilder heftige Gewaltausbrüche und Grausamkeiten gegenüberstellt.

"Die Hölle findet unter schönsten Himmeln statt. Gleichgültig umstehen Berge und Bäume die Grausamkeiten, die von Menschen an Menschen verübt werden. Dass die Natur keine Empathie kennt, wissen wir längst. Selten jedoch hat uns ein Film so direkt und zweifelsfrei an diese Tatsache erinnert. THE PAINTED BIRD von Václav Marhoul ist ein Monolith, ein dreistündiges Requiem über die dunkelsten Bereiche der menschlichen Seele." (Claus Löser, Berliner Zeitung)


The Painted Bird

Tschechien/Ukraine/Slowakei 2019

Regie, Drehbuch, Produzent: Václav Marhoul nach dem gleichnamigen Roman von Jerzy Kosiński

Mit: Petr Kotlár, Udo Kier, Stellan Skarsgård, Harvey Keitel, Julian Sands, Barry Pepper, u.a.

169 min. – 1:2.35 – gefilmt auf 35mm

Nominiert für den Golden Löwen in Venedig 2019.
Nominiert für den Europäischen Filmpreis 2020.

Inhalt:

Ein kleiner Junge lebt auf einem Hof mitten im Nirgendwo. Nur eine alte Bäuerin kümmert sich um ihn, den Haushalt und das wenige Vieh. Als er eines Morgens aufwacht, ist sie tot. Mutterseelenallein, ohne Nachbarn weit und breit, macht sich der Kleine notgedrungen auf den Weg, um Hilfe zu suchen, und gerät in eine Welt voller Niedertracht, in der es offenbar jeder Mensch, dem er begegnet, auf ihn abgesehen hat. Drohungen und Schläge stehen gerade mal am Anfang seiner Odyssee mitten hinein ins Herz der schwarzen Menschenseele…

Pressestimmen:

"Grausamkeiten einer Kindheit im Krieg und wie sie einen Zehnjährigen zerstören. Schmerzhaft brutal, faszinierend schön – ein Film über den wir nicht aufhören können, zu sprechen." (ttt - Titel Thesen Temperamente)

"Bäuerlich und heidnisch ist die Welt dieses Films, von Angst und Aberglauben beherrscht, von deutschen und russischen Armeen überrollt, von Todesschwadronen heimgesucht und von Todeszügen durchfahren. Aber in gloriosem Schwarzweiß gefilmt, mit großem cineastischen Blick. Von den ersten Szene an, in der Kinder ein Eichhörnchen mit Benzin übergießen, anzünden und seinen Todesschreien lauschen, lässt man hier besser alle Hoffnung fahren, und dafür werden sogar die Gesetze der Natur verfremdet: Krähen bilden Exekutionskommandos, selbst Spatzen rotten sich zu tödlichen Mobs zusammen, und der mit Abstand grausamste Mord, nur einer von unzähligen, wird von Bauersfrauen an einer anderen Frau begangen, die halb verrückt in den Wäldern lebt, mit bedrohlich ungezügelter Sexualität. Der Autor Kosiński hat lange suggeriert, das alles selbst erlebt zu haben, der Junge gewesen zu sein, der hier endlos gequält, versklavt, ausgebeutet und missbraucht wird, sich von einer Station der Grausamkeit zur nächsten schleppt. Diese Behauptung musste er irgendwann zurückziehen, schließlich brachte er sich um. Das alles gefilmt zu sehen, macht das Pathologische in dieser Erzählung noch vielfach deutlicher - der junge Hauptdarsteller Petr Kotlár darf den fertigen Film zur Wahrung seines Seelenheils nun nicht sehen." (Tobias Kniebe, Süddeutsche Zeitung)

"Regisseur Václav Marhoul hat The Painted Bird nun tatsäch­lich verfilmt: als scho­ckie­rendes, fast dreis­tün­diges Empö­rungs­ve­hikel, als grausames Märchen, als Kino-Bilder­sturm. Die Diskus­sionen um seinen Erzähl­ge­gen­stand wieder­holen sich. Kein Wunder! Man kann sich mit einer so weit­ge­hend werk­treuen Verfil­mung eigent­lich nur in die Nesseln setzen. Schon nach der Premiere in Venedig 2019 war Kontro­verses zu lesen. Neben der endlosen Gewalt kriti­sierte man vor allem das nihi­lis­ti­sche Menschen­bild, das diese Reise durch das östliche Europa während des Zweiten Welt­kriegs bedient. Solche Reak­tionen fallen in der Regel bereits auf die einfachste Provo­ka­tion herein, die dieser Film vornimmt. The Painted Bird kann und will nicht als entstaubtes histo­ri­sches Zeugnis oder Muse­ums­tour gelesen werden, als kein schlichtes „So war es“. Marhouls Werk formu­liert wie der Roman eher ein pole­mi­sches „So ist es“. Er sucht Wesent­li­ches in der Historie." (Janick Nolting, Artechock)

"Auch davon abgesehen ist die Entstehungsgeschichte interessant. An sich sollte Polen involviert werden, doch da die ländliche Bevölkerung extrem negativ dargestellt wird, entschieden sich alle Produktionsfirmen und Vertriebe des Landes gegen eine Mitarbeit. Unter anderem deshalb dauerte es zehn Jahre, bis Marhoul den Film finanziert bekam, wobei Skarsgard den künstlerischen Anspruch über sein Gehalt stellte und lediglich 100 Euro bekam - sowie eine Umarmung vom Regisseur, dem das alles deutlich einfacher machte." (Stefan Bröhl, Tag24)

"Vor zwei Jahren wurde „The Painted Bird“ auf dem Filmfestival in Venedig mit reserviertem Respekt aufgenommen. Fraglos ist Marhoul vom ungarischen Altmeister Bela Tarr inspiriert, aber was einem sein Film über das Wesen des Krieges, des Zweiten Weltkrieges, sagen will, bleibt plakativ: Die Welt ist schlecht, es gibt keinen Ausweg. Dieser Fatalismus ist untermalt von einem gewissen Sadismus in der Mise-en-Scène, weil jeder Anflug von Hoffnung von einer noch größeren Niedertracht übertroffen wird." (Andreas Busche, Tagesspiegel)

"Nicht nur thematisch, sondern auch erzählerisch nähert sich Marhouls The Painted Bird an Werke wie Andrei Tarkowskis Iwans Kindheit (1962) oder Elem Klimovs Komm und sieh (1985) an. Die Wanderschaft des jungen Protagonisten gliedert sich, wie die Vorlage, in mehrere Kapitel oder Episoden, benannt nach jenen Menschen, bei denen der Junge, der bis zum Ende hin namenlos bleibt, Unterschlupf findet. Nach Marhouls Aussage folgt der Film den Erfahrungen des Jungen, der eine Reise hin in das Dunkle der menschlichen Seele macht, wobei der nicht nur auf die Schrecken des Krieges trifft, sondern zugleich auf eine Vielfalt anderer Grausamkeiten, von Pädophilen bis hin zu Vergewaltigungen und Verstümmelungen, was The Painted Bird zu einem wuchtigen wie auch teils recht unbequemen Erlebnis für jeden Zuschauer machen dürfte." (Rouven Linnarz, film-rezensionen.de)

"Wer historische Maßstäbe an diesen Film anlegt, mag ihn verteufeln. Und auch die Darstellung der Landbevölkerung im Roman wie im Film ist problematisch. Fernab der Städte ist auch die Intelligenz fern. Zwischen Aberglauben und Gottesfürchtigkeit brechen sich Gewalt und Libido Bahn. Die Figuren – egal ob ein sanftmütiger Vogelfänger, eine lüsterne Müllerin oder ein sadistischer Schnapsbrenner – sind holzschnittartig gezeichnet, weil auch Marhouls Film mehr überzeitliches Schlachtengemälde als konkret verortetes Kriegsdrama sein will. Das ist ihm auf beeindruckende Weise gelungen. The Painted Bird ist eine erschreckende, eine grässliche, aber eben auch eine lyrische und sinnliche Reise." (Falk Straub, Kino-Zeit)

"Die Figuren sind weitgehend entmenschlicht, es wird kaum gesprochen, praktisch nie mitgefühlt. Marhoul präsentiert darüber hinaus die Schönheit der Natur, das Beeindruckende der Landschaft, die Wälder, die Tiere, all das also, was in keiner völkischen Ideologie als Heimatsymbolik fehlen darf, als Boden für animalische Gemeinheit, ganz explizit etwa in dem Bild einer Teenagerin, die sich von einem Ziegenbock penetrieren lässt, um dem Jungen, mit dem sie zuvor sexuelle Handlungen versucht hatte, zu zeigen, wie es richtig geht." (Nicolai Hagedorn, neues deutschland)

"Bei den Filmfestspielen Venedig, wo der Film Premiere hatte, sind nicht wenige aus dem Saal gelaufen. Und es wäre wohl besser, einen Film wie „The Painted Bird“ von Václav Marhoul nicht allein anzusehen. Massaker und Vergewaltigungen und vor allem, immer wieder, eine aus primitivem Fremdenhass, unreflektierter Frömmelei, jahrhundertelang eingeübtem Sklaventum, Gier und Sexualität gespeiste gnadenlose Verachtung des Menschseins erlebt das kleine Menschenkind. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs durchstreift es eine Art fiktives Osteuropa, gesprochen wird ein künstliches Panslawisch." (Eva-Maria Magel, FAZ)

Offizielle Homepage des Films (Englisch/Tschechisch) mit vielen Hintergrundinformationen

"Der neue Film des tschechischen Regisseurs Václav Marhoul spielt in dieser Liga von Werken, bei denen man heilfroh ist, wenn sie überstanden sind und trotzdem beeindruckt sagen kann: Was für ein Film!"(Filmstock)

“Der kräftezehrendste und lohnenswerteste Film seit Jahren.“ (Filmthreat.com)

“Der tschechische Regisseur Václav Marhoul filmt das Unfilmbare.” (Sight & Sound)

“Schrecklich brutal aber wunderschön komponiert ist Václav Marhouls dritter Spielfilm ein unvergessliches Erlebnis, das den schlimmsten Schrecken des Krieges verwegen ins Auge blickt… Das hier ist Torture-Porn grandiosen Ausmaßes, der brutal auf sein Publikum einprügelt: eine Tortur, gegen die Dantes Inferno fast milde wirkt.“ (Sight & Sound)

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